David Philip Hefti

Dirigent / Komponist

David Philip Hefti ist faszinierend in der heutigen europäischen Komponisten-Szene: Er lässt sich deutlich in die Traditionen des Modernismus einreihen, finden wir doch in seiner Musik die ganze Palette zeitgenössischer Kompositions- und Spieltechniken, von Mikrotönen bis zu Mehrklängen – und dennoch besitzt seine Musik eine Unmittelbarkeit, die Musiker, Kritiker und Publikum gleichermassen anspricht. Die starke Ausdruckskraft seiner Musik ist sicherlich mit ein Grund, warum Hefti zu den meistgespielten Schweizer Komponisten der vergangenen fünfzig Jahre gehört. Beim Komponieren gehe er immer vom Klang aus, sagt er, und die Kritiker haben entsprechend das „Sensualistische“ an seiner Musik (Leipziger Volkszeitung) und deren „filigrane“ Instrumentation (Neue Zürcher Zeitung) gelobt.

Hefti wurde 1975 in der Schweiz geboren, verbrachte aber seine frühe Kindheit in Washington D.C., wohin die Familie aufgrund der Karriere seines Vaters gezogen war. Später studierte Hefti an den Musikhochschulen von Zürich und Karlsruhe. Seine Kompositionslehrer – der Schweizer Rudolf Kelterborn, der Deutsche Wolfgang Rihm und der Spanier Cristóbal Halffter – vertraten verschiedene stilistische Richtungen, liessen ihm jedoch den nötigen Freiraum, um seinen persönlichen Stil zu entwickeln. Hefti hat ein halbes Jahr in London gelebt, ist aber heute gleichermassen in Zürich und in Mannheim zu Hause, von wo aus er eine Doppelkarriere als Dirigent und Komponist ausübt.

In Heftis Oeuvre, das heute um die 50 Werke umfasst, besteht eine Gleichberechtigung zwischen Orchester- und Kammermusik. Darunter befinden sich etwa vier Streichquartette (die allesamt vom Leipziger Streichquartett auf CD eingespielt wurden), ein Cellokonzert (von Thomas Grossenbacher und dem Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von David Zinman uraufgeführt) und eine Erste Sinfonie – zur Zeit noch in Arbeit – von der einzelne Sätze schon von Nagano, Hefti und Nott in Montreal, Mannheim bzw. in Bamberg aufgeführt wurden. Hefti hat auch Solo-Stücke und Vokalmusik geschrieben (wie z.B. das Hamlet-Fragment 2013 für Chor a cappella). Ein Blick auf Heftis Partituren bestätigt seine Akribie wenn es darum geht, seine Ideen auf Papier festzuhalten. Oft kennt er auch die Musiker persönlich, für die er komponiert – wie etwa Baiba Skride, Antje Weithaas, Hartmut Rohde oder Jan Vogler – und so kann er ihnen Werke quasi auf den Leib schreiben.

Heftis Karriere als Dirigent – von eigenen und fremden Werken – ist ihm ebenso wichtig wie das Komponieren. Er ist zu Recht davon überzeugt, er würde anders komponieren, wenn er nicht auch als ausübender Dirigent aktiv wäre; und seine Dirigiertätigkeit profitiert sicherlich vom feinen Gehörsinn und von der Vorstellungskraft des Komponisten. Auf der CD Changements (bei Col Legno erschienen) hören wir Hefti als Dirigent/Komponist in perfekter Ausgewogenheit. Hier dirigiert er das Ensemble Modern, das ORF Radio Symphonieorchester Wien, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und die Deutsche Radio Philharmonie in einigen seiner grossformatigen Orchesterwerke. Die Kritiker waren voll des Lobes: die Neue Zürcher Zeitung schrieb von seiner „ausgezeichneten Beherrschung des Orchesterapparates (auch als Dirigent)“, während die führende CD-Zeitschrift FonoForum die „Perfektion“ seiner Partituren hervorhob und der CD fünf Sterne vergab.

Hefti hat viele namhafte Preise und Wettbewerbe gewonnen, wie etwa den Gustav-Mahler Wettbewerb, den Komponisten-Preis der Ernst von Siemens Musikstiftung und den Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festival. Seine Werke stehen auf dem Programm vieler internationaler Festivals, wie zum Beispiel in Luzern, beim Festival Wien Modern, dem Festival Pablo Casals Prades und Beijing Modern; aufgeführt wird er von international renommierten Dirigenten wie Peter Eötvös, David Zinman und Kent Nagano und von namhaften Orchestern wie dem Tonhalle Orchester Zürich, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder dem Orchestre symphonique de Montréal. Obwohl Hefti erst vierzig Jahre alt ist, existieren schon ein Dutzend CDs seiner Musik bei sieben verschiedenen Labels.

Im Mai 2017 wird Heftis erste Oper uraufgeführt, und zwar in seiner Heimatstadt St. Gallen: Annas Maske auf ein Libretto von Alain Claude Sulzer, basierend auf einer wahren Geschichte von Mord und Selbstmord in der Opernwelt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Heldin war zu ihrer Zeit eine berühmte Darstellerin der Carmen und auch der Salome – eine Vereinigung von Gegensätzlichem also, die sicherlich das Beste aus Hefti herauszuholen verspricht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hefti.net.

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